Archiv für die Kategorie ‘Installation’

Zeitsprung

Mittwoch, 01. August 2007

„Zeitsprung“ Installation auf dem V. Umbusi Symposium für Ortsbezogene Kunst, Umbusi, EST

Zeitsprung 7

Foto: Agnes Domke

Wenn man einmal in die Luft springt und da dann wie mit dem Videoregler die Zeit anhalten könnte, ein paar Blätter zurück in einem Buch, ein paar Jahrzehnte zurück in der Zeit. Könnte man einmal in ein Land fahren, in dem es aussieht, wie bei uns vor dreißig Jahren. Könnte man sich verbinden mit Leuten mit ganz anderen Geschichten… Man kann!

Fotos: Jurate Weiss und Agnes Domke

Auf dem Symposium in einer alten Schule in Umbusi in Estland habe ich mit Teilnehmern und Dorfbewohnern zusammen Fotos gestellt, die der Sorte Fotos gleichen sollten, die ich in alten Zeitschriften aus der Sowjetzeit dort gefunden habe. Aus ihnen und anderen gefundenen Materialien habe ich an einer Wand des Gemeinschaftsraums des Symposiums eine Installation arrangiert, die versucht, Vergangenes und verloren Gegangenes mit der Gegenwart zu verknüpfen.

Materialien: Fotos, Bücher, Zeitschriften, Blechtablett

Schöne Vergangenheit

Freitag, 23. August 2002

„Schöne Vergangenheit“, Installation im August 2002 im ehemaligen Erholungsheim für Meliorationsarbeiter in Elniu Slenis, Litauen

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Wie schön säße es sich doch in der eigenen Vergangenheit, könnte man nur einmal mußevoll in ihr Platz nehmen. Aber wie auf Sesseln, auf denen schillernd Glasscherben liegen, kann man es sich in der Vergangenheit nur ausnahmsweise einmal im Traum gemütlich machen.

Fotos: Agnes Domke

Das Erholungsheim war in den 80’er Jahren mit dem Gedanken gebaut worden, auf dem völlig flachen Land den Arbeitern zu einem Urlaub in den Bergen zu verhelfen. Es war ein See ausgehoben worden und die Erde daneben zu einem Berg aufgeschüttet. Im Wald wurden Wanderwege angelegt und Aussichtspunkte geschaffen.

Das Haus war im Stil einer Berghütte gebaut, versehen mit dunklen Holzvertäfelungen, Gemälden, die Berge und Meer zeigten und einigen Vitrinen mit Souvenirs aus fremden Gebirgen.
Mich erinnerte das Ambiente sehr an meine eigene Kindheit in der DDR und mich interessierte das Verhältnis zur dieser Vergangenheit, das wir heute haben, die Verklärung der Vergangenheit. Die Vergangenheit ist das Einzige, was man manipulieren und kontrollieren kann im Gegensatz zu Gegenwart und Zukunft.

Der Reiz der Installation besteht in einem Balanceakt zwischen Natur und Kultur. Das Ferienheim, seit Jahren nicht mehr in Benutzung, gleicht sich durch seinen Verfall der Natur mehr und mehr an. Den morbiden Charme des Ortes wollte ich atmosphärisch verstärken.

Materialien: Glasscherben, Zeitungsfotos, Papier, Kreide, Filzstiftzeichnungen, Gouachefarben, Birkenrinde, Tannen –und Eschenzweige, Tannenzapfen, bemoostes Holz, Kieselsteine, Votivbild