Eiszelt

04. März 2008

„Eiszelt“, Installation im März 2008 im Museum für Zeitgenössische Kunst in Kerava, Finnland

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Wie würde eine mongolische Jurte aussehen, wenn sie an die Bedingungen am Polarkreis angepaßt wäre? Sie müsste aus Eisblöcken sein, außen gut getarnt und innen sehr warm, magisch und gemütlich. Ihre Einzelteile sollen so leicht sein, dass man sie auf eine Traumreise mitnehmen kann.In meinem Eiszelt kann ein einzelner Besucher in meine Innenwelt eintauchen und dieses oder jenes Geheimnis eines großen inneren Umbruchs erfahren. Er kann sich lang strecken und über Kopfhörer einem Mix aus samischer und mongolischer transzendentaler Musik lauschen und sich so seiner eigenen inneren Reise überlassen.

Fotos: Agnes Domke

Ein Zelt (Durchmesser: 3 Meter, Höhe 1,70 Meter) aus weiß angestrichenen Pappkartons ist am Eingang mit als Zeitungsartikel getarnten Träumen (in Finnisch und in Englisch) über eine gewaltvolle Trennung beklebt. Im Zelt liegen Kissen auf dem Boden und offene Kisten, die persönliche Utensilien und Fotos zweier Lieben enthalten, auch eine Schwangerschaft spielt eine Rolle. Man kann sich unter einen Vorhang von bunten Bändern legen und eine CD mit mongolischer und samischer Musik hören.

Materialien: Pappe, Acrylfarbe, Zeitung, Stoff, Bänder, Fotos, Objekte aus Papier und Plastik

Geräuschloser Spaziergang im Garten

09. November 2007

„Geräuschloser Spaziergang im Garten“, Installation Novemver 2007 im Hinterconti, Hamburg

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Der „Geräuschlose Spaziergang im Garten“ ist eine Installation aus Schwermut, Herbstlaub und Hügeln, aus denen hier und da Beweisstücke einer ehemaligen Liebe gucken: hier ein Brief, dort eine Zeichnung, da ein Spitznamenkalender… Die Luft ist gespickt mit Gedanken und Fotos, ein wenig bewegt nur durch aufgehende Türen.

Photos: Agnes Domke

In zwei Räumen ist Laub ausgestreut, in dem einen befinden sich eine Schreibmaschine und an den Wänden und von der Decke hängend Erinnerungsstücke, Fotos, Zeichnungen und Briefe. In dem zweiten, kleineren Raum befindet sich ein kleiner orangefarbener Teddy in einem Kinderbett. Die Scheiben der Fenster sind mit einer Art Vorhang bemalt.

Materialien: Laub, Papier, Schleifen, Schreibmaschine, Fotos, Fotokopien, Bilderrahmen, Geschirr, Kaffee, Teddybär, Metallkinderbett, Acrylfarbe

Liebster in Rot

21. Oktober 2007

„Liebster in Rot“ Installation und Performance, Oktober 2007,
La Farinera del Clot, Barcelona

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In den Mehltransportschächten der ehemaligen Mühle ist der Hort einer gierigen Matrone, die sich immer wieder selbst erneuert durch den Konsum von dunkeläugigen jungen Männern, die alle einem einzigen ähnlich sehen, einem, den sie nicht vergessen kann. Ich bin diese Matrone und mache eines Abends meine Runde in der Mühle und spreche junge Männer an: Kennen Sie diesen Mann hier (ich zeige ihnen eine Photokopie eines alten spanischen Gemäldes)? Kennen Sie jemanden, der ihm ähnlich sieht? Können Sie mir seine Adresse geben? Ja? Welche Eigenschaften hat er? Nein? Oder vielleicht Ihre eigene Adresse…?

Fotos: Leo Cayuela

Die Performance basiert auf dem Serenadamythos, bei dem es um die Opferung eines Helden als Bullen und seine Wiedergeburt und erneute Vermählung mit der Serenada geht.
Ich trage eine katalanische Volkstracht und spreche junge Männer wie oben beschrieben an, ich sammle ihre Adressen als Identitäten, in der Hoffnung, dass sie selbst der Nachfolger des Mannes auf dem Gemälde sein könnten. Ich schreibe jedem von ihnen eine sehr einnehmende Postkarte, erhalte aber von keinem einzigen Antwort.

Materialien: Photokopien, Fotos, Stoff, Schnur, Schaumstoff

Zeitsprung

01. August 2007

„Zeitsprung“ Installation auf dem V. Umbusi Symposium für Ortsbezogene Kunst, Umbusi, EST

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Foto: Agnes Domke

Wenn man einmal in die Luft springt und da dann wie mit dem Videoregler die Zeit anhalten könnte, ein paar Blätter zurück in einem Buch, ein paar Jahrzehnte zurück in der Zeit. Könnte man einmal in ein Land fahren, in dem es aussieht, wie bei uns vor dreißig Jahren. Könnte man sich verbinden mit Leuten mit ganz anderen Geschichten… Man kann!

Fotos: Jurate Weiss und Agnes Domke

Auf dem Symposium in einer alten Schule in Umbusi in Estland habe ich mit Teilnehmern und Dorfbewohnern zusammen Fotos gestellt, die der Sorte Fotos gleichen sollten, die ich in alten Zeitschriften aus der Sowjetzeit dort gefunden habe. Aus ihnen und anderen gefundenen Materialien habe ich an einer Wand des Gemeinschaftsraums des Symposiums eine Installation arrangiert, die versucht, Vergangenes und verloren Gegangenes mit der Gegenwart zu verknüpfen.

Materialien: Fotos, Bücher, Zeitschriften, Blechtablett

Blut

03. Juni 2007

“Blut (Worüber sprechen Sie gerade?)”
Performance, Juni 2007, Elfquadratmeter, Berlin

Foto: Dirk Dobbrow
Foto: Dirk Dobbrow

Ein weißes Opfer einer unbekannten Tat schlendert durch den Marienburger Kiez und fragt neugierig die Leute, worüber sie sich unterhalten. Viele von ihnen fühlen sich in der Intimität ihres Gesprächs gestört, einige Fragen zurück, ob sie irgendwie helfen können.


Fotos: Christina Griebel

Ich trug ein weißes Kleid, das den Bauch frei ließ,
ein breites Haarband und einen Spiegel auf der Stirn.
Von unter der Brust tropfte falsches Blut.
Ich ging durch den Galerievorraum nach draußen
und mischte mich in Gespräche ein:
Worüber sprechen Sie gerade?
Und was haben Sie dabei gedacht?
Wie hat sich das angefühlt?
Ich bewegte mich in einer Runde um den Wohnblock,
ging die Immanuelkirchstraße, die Winsstraße,
die Marienburger und die Greifswalder Straße entlang
bis zurück zur Galerie. Ich sprach Leute vor dem Spätverkauf,
in Restaurants und auf der Straße an, stoppte zwei Autos,
in denen sich nichts unterhalten wurde, sprach mit einem
Kind, das gerade eine Maske gebastelt hatte,
wurde von drei Leuten gefragt, ob sie
mir helfen könnten, ob ich einen
Krankenwagen brauche.


Materialien: Stoff, Plastikflasche, Theaterblut
Dauer der Performance: eine Stunde