Gemeinsames Begräbnis

14. September 2006

„Gemeinsames Begräbnis“, Performance und Installation im September 2006 am Smetanaufer in Prag, Tschechien

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Falls es irgendetwas gibt, das Sie seit Jahren nicht vergessen, werfen Sie es einfach hier rein und wir verbrennen es, dann ist es auch in Ihnen bald gelöscht. Vertrauen Sie meiner Zauberkraft und der einer alten mährischen Tracht!

Ich trug eine Mährische Volkstracht aus der Hanacko Region und eine selbst gefertigte Haube aus Zeitungspapier, Stoffbändern und anderen recycelten Materialien.
Auf einem Fußgängerübergang am Smetanaufer brachte ich feuchtes Heu aus und versteckte darin eine Blechbüchse mit Lampenöl.
Ich harkte und wendete das Heu geräuschvoll mit einer Laubharke und fragte von Zeit zu Zeit einzelne der vorübergehenden Leute, ob sie nicht etwas loswerden möchten, das sie innerlich beschwert, Sorgen oder vielleicht Erinnerungen. Ich bat sie, diese auf einen Zettel zu schreiben und in dem Heuhaufen zu verbrennen. Ich versprach ihnen, dass sie danach fort wären.
Zwischen mir und den Passanten entstanden die verschiedenartigsten Gespräche: über korrektes Heumachen, über Ferienlagerrituale oder darüber, wie sicher mein Verfahren sei, und ob man seinen Erfolg irgendwie überprüfen kann.
Der Rahmen dieser Aktion waren zwei autofreie Tage im Stadtzentrum von Prag.

Materialien: Hanacko-Volkstracht, Zeitungspapier, Plastikperlen, Bänder, Plastikflasche, Blechbüchse, Lampenöl

FernOst FernWest Weisheit

01. August 2006

„FernOst FernWest Weisheit“ Installation und Performance im August 2006 im UMA Museum in Ulan Bator, Mongolei / Gemeinschaftsarbeit mit Christian Richter

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Diese Installation und Performance waren der Versuch, die uns so fremde und faszinierende mongolische Kultur dadurch zu verstehen, dass wir uns ihr anverwandelten. Durch die Magie einer besonderen und geselligen Situation beabsichtigten wir, aus Gesprächen in kurzer Zeit eine große Menge fernöstlicher Weisheit zu extrahieren.

Fotos: Rasmus Kjellberg, Agnes Domke

Wir bauten eine Jurte aus Draht und mongolischen Tagesszeitungen. Wir bemalten Pappkartons im Stile der von den mongolischen Nomaden benutzten Holztruhen. An die Wände hängten wir selbst gefertigte Familienerinnerungsbilder und legten auf dem Boden lokaltypische Seiden- und Baumwollstoffe sowie Sitzkissen aus. Der Gemütlichkeit weiterhin zuträglich, stellten wir einen Teekocher und ein Tischchen hinein, auf dem Hartkäse und Süßigkeiten in einer Schale angeboten wurden.
Wir kleideten uns jeweils in eine europäische und eine asiatische Tracht und luden während unserer mehrstündigen Performance Gäste zum Tee in unsere Jurte ein. In den Gesprächen mit ihnen versuchten wir näher an einen Kern mongolischer Weisheit zu gelangen.
Überraschenderweise lasen viele Besucher die Wände unserer Jurte, bevor sie eintraten.

Materialien: Draht, Zeitungspapier, Pressspanplatte, Pappe, Seiden- und Baumwollstoffe, Geschirr, Reitstiefel, Hartkäse, Süßigkeiten

Die Letzte Tür

02. Januar 2006

„Die Letzte Tür“, Installation und Performance im Januar 2006 in der Alten Moschee Kreuzberg in Berlin/ Gemeinschaftsarbeit mit Christian Richter

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Diese Aktion fand am Ausgang des Winters statt und war dazu gedacht, den Tod in sich selbst zu überwinden. Man entledigt sich eines inneren Ballasts und schreitet in nicht ganz ungehinderter Art durch eine Tür. Durch diesen Prozess geläutert, betrachtet man die Welt dahinter mit ganz anderen Augen.

Fotos: Derek Szteliga

Eine Tür wurde zum Ausgangspunkt für meine Installation. Dort fand eine Art Abfertigung durch einen Engel (Christian Richter) und den Tod (durch mich verkörpert) an einer fiktiven letzten Tür statt. Die Leute werden gefragt, ob sie vielleicht einmal probeweise durch diese eine letzte Tür gehen möchten. Zur Beruhigung wird ihnen versichert, dass eine Wiederkehr jederzeit möglich ist. Sie müssten nur vorher einen kleinen Fragebogen ausfüllen, ihn im Sand vor der Tür vergraben um dann die Tür zu passieren. Der Engel wünscht ihnen noch glückliche Reise. Sie passieren die Tür und verfangen sich dahinter in einem Labyrinth aus weißen Tüchern um sich daraufhin mitten im nächtlichen Kreuzberg wieder zu finden (der jenseitigen Welt). Ihnen durch die Scheibe freundlich zuwinkend begleitet sie der Tod auf dem Weg zur Eingangstür zurück und alles kann noch einmal von vorn losgehen.

Materialien: Stoffe, Sand, Papier, Rollschuhe, Tisch und Stuhl

Ort/Rahmen:  Gruppenausstellung „A very public display“ in der Alten Moschee in Berlin- Kreuzberg

Ein Gebäude aus den Achtziger Jahren, das vormals eine Moschee war, liegt im Herzen Kreuzbergs in einem Schmuddelbezirk, wo es viele Einwanderer, Händler, Drogensüchtige und Kriminelle gibt, aber auch Studenten und Revolutionstouristen. Auf den Straßen ist immer eine Menge los.
Das Gebäude hat Zugänge von mehreren Seiten. Meine Installation befand sich in einem Saal auf der ersten Ebene, die über Treppen von der Straße und von der Rückseite des Gebäudes  her erreichbar war. Der Saal maß im Durchmesser etwa 15m und bestand rundum aus Glaswänden. Der Boden war mit blauem Teppich bespannt.

Schwarzes Wasser Weißes Wasser

03. September 2005

„Schwarzes Wasser Weißes Wasser“, Installation und Performance im September 2005 in den ehemaligen Titanic Headquarters in Belfast, Großbritannien

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Diese Installation handelt vom Vergessen Wollen. Als magischer Geist aus Papier frage ich die Leute, ob es etwas gibt, das sie gern vergessen wollen. Ich bitte sie, dies auf einen Zettel zu schreiben, einen Stein darin einzuwickeln und diesen dann entweder in weißes oder in schwarzes Wasser zu werfen.

Fotos: Nazir Tanbouli

Meine Installation und Performance war Teil einer einmaligen Aktion der ortsbezogen arbeitenden Künstlergruppe Luna Nera (http://www.luna-nera.com ) in den Zeichenräumen der Titanic Headquarters, einer ehemaligen Werft in Belfast, in der einst die legendäre „Titanic“ entworfen und gebaut wurde. Eine Galerie in der Innenstadt begleitete über zwei Wochen hinweg dokumentarisch diese Aktion.
Belfast ist ein Ort mit einem schwelenden religiös- ethnischen Konflikt, von dem fast alle dort lebenden Einwohner betroffen sind. In dichter zeitlicher Abfolge ereignen sich Ausbrüche von Gewalt.
In der irischen, vor allen Dingen der ländlichen Kultur, ist ein aktiver Elfen- und Zauberglaube stark präsent.
In einen Durchgangsraum zwischen Haupteingang und Konstruktionshallen baute ich je ein schwarzes und ein weißes mit Wasser gefülltes Becken aus Stoffen, Schieferschindeln, Glasscherben und Plastikplane. Ich machte mir ein Kostüm aus Schiffsbauplänen, die ich im Gebäude gefunden hatte. Besucher erinnerte es an einen „viktorianischen Geist“.

Materialien: Papier, Plastikplane, Stoffe, Scherben, Schieferschindeln, Wolle, Steine

Schöne Vergangenheit

23. August 2002

„Schöne Vergangenheit“, Installation im August 2002 im ehemaligen Erholungsheim für Meliorationsarbeiter in Elniu Slenis, Litauen

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Wie schön säße es sich doch in der eigenen Vergangenheit, könnte man nur einmal mußevoll in ihr Platz nehmen. Aber wie auf Sesseln, auf denen schillernd Glasscherben liegen, kann man es sich in der Vergangenheit nur ausnahmsweise einmal im Traum gemütlich machen.

Fotos: Agnes Domke

Das Erholungsheim war in den 80’er Jahren mit dem Gedanken gebaut worden, auf dem völlig flachen Land den Arbeitern zu einem Urlaub in den Bergen zu verhelfen. Es war ein See ausgehoben worden und die Erde daneben zu einem Berg aufgeschüttet. Im Wald wurden Wanderwege angelegt und Aussichtspunkte geschaffen.

Das Haus war im Stil einer Berghütte gebaut, versehen mit dunklen Holzvertäfelungen, Gemälden, die Berge und Meer zeigten und einigen Vitrinen mit Souvenirs aus fremden Gebirgen.
Mich erinnerte das Ambiente sehr an meine eigene Kindheit in der DDR und mich interessierte das Verhältnis zur dieser Vergangenheit, das wir heute haben, die Verklärung der Vergangenheit. Die Vergangenheit ist das Einzige, was man manipulieren und kontrollieren kann im Gegensatz zu Gegenwart und Zukunft.

Der Reiz der Installation besteht in einem Balanceakt zwischen Natur und Kultur. Das Ferienheim, seit Jahren nicht mehr in Benutzung, gleicht sich durch seinen Verfall der Natur mehr und mehr an. Den morbiden Charme des Ortes wollte ich atmosphärisch verstärken.

Materialien: Glasscherben, Zeitungsfotos, Papier, Kreide, Filzstiftzeichnungen, Gouachefarben, Birkenrinde, Tannen –und Eschenzweige, Tannenzapfen, bemoostes Holz, Kieselsteine, Votivbild