Mit ‘ortsbezogen’ getaggte Artikel

Schutzmantelmadonna

Freitag, 11. September 2009

„Schutzmantelmadonna“, Installation, September 2009, Loophole, Berlin Neukölln

Schutzmantel 5

In den Auslagen eines vormaligen Bordells thront eine Schutzmantelmadonna. Erst wurde in der Wand beim Renovieren ein Loch gefunden, das bald die Ausmaße einer Grotte annahm und in dem, offenbar wie im Zeitraffer, Farben wuchsen wie anderswo über Zeitalter hinweg Edelsteine. Der Ort wurde zu einem Wallfahrtsort umso mehr, als die Madonna unter ihrem Mantel Schutz und Überlebensratschläge bietet.

Audiofile: SchutzMantelMadonna-MP3

Fotos: Agnes Domke

Die Madonna ist dem Vorbild einer ukrainischen Maphorionikone nachgebildet. Ihr Mantel hat ungefähr die Größe eines gemütlichen 2- Personenzeltes (Durchmesser: 2,5 Meter, Gesamthöhe 2,70 Meter). Im Mantel befinden sich Sitzkissen. Man kann es sich dort gemütlich machen und sich die Audiofiles anhören (ein Gespräch über Kunst und Prostitution und einen Traumtext, zu hören über je einen CD-Walkman mit Kopfhörern).In ihrem Rock sind Spruchbänder angebracht, die Tipps geben, was im Falle eines Nervenzusammenbruchs zu tun ist.
Es ist eine Schutzmantelmadonna für Künstler, Prostituierte und Wahnsinnige.

Materialien: Draht, Pappe, Stoff

News

Donnerstag, 02. Oktober 2008

„News“ Installation, Uue Kunsti Muuseum, Pärnu Oktober 2008

News 1

Foto: Annu Wilenius

Eine estnische Zeitung aus dem Jahr 2002, die zu einer großen Wandzeitung zusammengefügt ist, klebt an der Museumswand. Nachdem der Besucher „was soll das?!“ zu sich selbst gesagt hat, tritt er näher heran und sieht, dass an den Zeitungsseiten etwas verändert worden ist. Private Fotos und kleine Textabschnitte, die mit Estland, der Mongolei und dem Privatleben der Künstlerin zu tun haben, sind unter die Artikel und Zeitungsfotos gemischt. Sie helfen dem geübten Museumsbesucher, Ereignisse aus dem Jahr 2002, die das Schicksal in einer Zeitung zusammen gebracht hat, sinnvoll untereinander zu verknüpfen.

Materialien: Zeitungen, Fotokopien, Klebestreifen

News 2

Foto: Agnes Domke

Ambition. These are so gracious and ambitious children. Six years ago I shared 3 rooms in a wooden house in Tartu with two young Estonian women.One of them was learning for her A levels sitting shaking with cold under the blankets of a large marriage-bed in a gloomy room consisting only of the bed and an old huge black kitchenstove. „We were teached by our parents ambition, to learn and work as hard as we can to get a good education, for that we could later on do good for our country, for that small Estonia would be strong and recognized one day.

Ambitsioon. Need on nii heasoovlikud ja ambitsioonikad lapsed. Kuus aastat tagasi jagasin ma Tartus ühes puumajas kolme tuba kahe noore Eesti naisega. Üks neist õppis eksamiteks suures abieluvoodis tekkide all külmast värisedes oma sünges toas, mis koosnes ainult voodist ja suurest vanast mustast pliidist. „Meile oli eeskujuks meie vanemate edasipüüdlikkus võimalikult kõvasti õppida ja töötada hea hariduse nimel, et me saaks hiljem oma riigile kasulikud olla, et väike Eesti saaks ühel päeval tugevaks ja tunnustatuks”.

Eiszelt

Dienstag, 04. März 2008

„Eiszelt“, Installation im März 2008 im Museum für Zeitgenössische Kunst in Kerava, Finnland

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Wie würde eine mongolische Jurte aussehen, wenn sie an die Bedingungen am Polarkreis angepaßt wäre? Sie müsste aus Eisblöcken sein, außen gut getarnt und innen sehr warm, magisch und gemütlich. Ihre Einzelteile sollen so leicht sein, dass man sie auf eine Traumreise mitnehmen kann.In meinem Eiszelt kann ein einzelner Besucher in meine Innenwelt eintauchen und dieses oder jenes Geheimnis eines großen inneren Umbruchs erfahren. Er kann sich lang strecken und über Kopfhörer einem Mix aus samischer und mongolischer transzendentaler Musik lauschen und sich so seiner eigenen inneren Reise überlassen.

Fotos: Agnes Domke

Ein Zelt (Durchmesser: 3 Meter, Höhe 1,70 Meter) aus weiß angestrichenen Pappkartons ist am Eingang mit als Zeitungsartikel getarnten Träumen (in Finnisch und in Englisch) über eine gewaltvolle Trennung beklebt. Im Zelt liegen Kissen auf dem Boden und offene Kisten, die persönliche Utensilien und Fotos zweier Lieben enthalten, auch eine Schwangerschaft spielt eine Rolle. Man kann sich unter einen Vorhang von bunten Bändern legen und eine CD mit mongolischer und samischer Musik hören.

Materialien: Pappe, Acrylfarbe, Zeitung, Stoff, Bänder, Fotos, Objekte aus Papier und Plastik

Geräuschloser Spaziergang im Garten

Freitag, 09. November 2007

„Geräuschloser Spaziergang im Garten“, Installation Novemver 2007 im Hinterconti, Hamburg

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Der „Geräuschlose Spaziergang im Garten“ ist eine Installation aus Schwermut, Herbstlaub und Hügeln, aus denen hier und da Beweisstücke einer ehemaligen Liebe gucken: hier ein Brief, dort eine Zeichnung, da ein Spitznamenkalender… Die Luft ist gespickt mit Gedanken und Fotos, ein wenig bewegt nur durch aufgehende Türen.

Photos: Agnes Domke

In zwei Räumen ist Laub ausgestreut, in dem einen befinden sich eine Schreibmaschine und an den Wänden und von der Decke hängend Erinnerungsstücke, Fotos, Zeichnungen und Briefe. In dem zweiten, kleineren Raum befindet sich ein kleiner orangefarbener Teddy in einem Kinderbett. Die Scheiben der Fenster sind mit einer Art Vorhang bemalt.

Materialien: Laub, Papier, Schleifen, Schreibmaschine, Fotos, Fotokopien, Bilderrahmen, Geschirr, Kaffee, Teddybär, Metallkinderbett, Acrylfarbe

Liebster in Rot

Sonntag, 21. Oktober 2007

„Liebster in Rot“ Installation und Performance, Oktober 2007,
La Farinera del Clot, Barcelona

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In den Mehltransportschächten der ehemaligen Mühle ist der Hort einer gierigen Matrone, die sich immer wieder selbst erneuert durch den Konsum von dunkeläugigen jungen Männern, die alle einem einzigen ähnlich sehen, einem, den sie nicht vergessen kann. Ich bin diese Matrone und mache eines Abends meine Runde in der Mühle und spreche junge Männer an: Kennen Sie diesen Mann hier (ich zeige ihnen eine Photokopie eines alten spanischen Gemäldes)? Kennen Sie jemanden, der ihm ähnlich sieht? Können Sie mir seine Adresse geben? Ja? Welche Eigenschaften hat er? Nein? Oder vielleicht Ihre eigene Adresse…?

Fotos: Leo Cayuela

Die Performance basiert auf dem Serenadamythos, bei dem es um die Opferung eines Helden als Bullen und seine Wiedergeburt und erneute Vermählung mit der Serenada geht.
Ich trage eine katalanische Volkstracht und spreche junge Männer wie oben beschrieben an, ich sammle ihre Adressen als Identitäten, in der Hoffnung, dass sie selbst der Nachfolger des Mannes auf dem Gemälde sein könnten. Ich schreibe jedem von ihnen eine sehr einnehmende Postkarte, erhalte aber von keinem einzigen Antwort.

Materialien: Photokopien, Fotos, Stoff, Schnur, Schaumstoff