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Zeitsprung

Mittwoch, 01. August 2007

„Zeitsprung“ Installation auf dem V. Umbusi Symposium für Ortsbezogene Kunst, Umbusi, EST

Zeitsprung 7

Foto: Agnes Domke

Wenn man einmal in die Luft springt und da dann wie mit dem Videoregler die Zeit anhalten könnte, ein paar Blätter zurück in einem Buch, ein paar Jahrzehnte zurück in der Zeit. Könnte man einmal in ein Land fahren, in dem es aussieht, wie bei uns vor dreißig Jahren. Könnte man sich verbinden mit Leuten mit ganz anderen Geschichten… Man kann!

Fotos: Jurate Weiss und Agnes Domke

Auf dem Symposium in einer alten Schule in Umbusi in Estland habe ich mit Teilnehmern und Dorfbewohnern zusammen Fotos gestellt, die der Sorte Fotos gleichen sollten, die ich in alten Zeitschriften aus der Sowjetzeit dort gefunden habe. Aus ihnen und anderen gefundenen Materialien habe ich an einer Wand des Gemeinschaftsraums des Symposiums eine Installation arrangiert, die versucht, Vergangenes und verloren Gegangenes mit der Gegenwart zu verknüpfen.

Materialien: Fotos, Bücher, Zeitschriften, Blechtablett

Blut

Sonntag, 03. Juni 2007

“Blut (Worüber sprechen Sie gerade?)”
Performance, Juni 2007, Elfquadratmeter, Berlin

Foto: Dirk Dobbrow
Foto: Dirk Dobbrow

Ein weißes Opfer einer unbekannten Tat schlendert durch den Marienburger Kiez und fragt neugierig die Leute, worüber sie sich unterhalten. Viele von ihnen fühlen sich in der Intimität ihres Gesprächs gestört, einige Fragen zurück, ob sie irgendwie helfen können.


Fotos: Christina Griebel

Ich trug ein weißes Kleid, das den Bauch frei ließ,
ein breites Haarband und einen Spiegel auf der Stirn.
Von unter der Brust tropfte falsches Blut.
Ich ging durch den Galerievorraum nach draußen
und mischte mich in Gespräche ein:
Worüber sprechen Sie gerade?
Und was haben Sie dabei gedacht?
Wie hat sich das angefühlt?
Ich bewegte mich in einer Runde um den Wohnblock,
ging die Immanuelkirchstraße, die Winsstraße,
die Marienburger und die Greifswalder Straße entlang
bis zurück zur Galerie. Ich sprach Leute vor dem Spätverkauf,
in Restaurants und auf der Straße an, stoppte zwei Autos,
in denen sich nichts unterhalten wurde, sprach mit einem
Kind, das gerade eine Maske gebastelt hatte,
wurde von drei Leuten gefragt, ob sie
mir helfen könnten, ob ich einen
Krankenwagen brauche.


Materialien: Stoff, Plastikflasche, Theaterblut
Dauer der Performance: eine Stunde

Gemeinsames Begräbnis

Donnerstag, 14. September 2006

„Gemeinsames Begräbnis“, Performance und Installation im September 2006 am Smetanaufer in Prag, Tschechien

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Falls es irgendetwas gibt, das Sie seit Jahren nicht vergessen, werfen Sie es einfach hier rein und wir verbrennen es, dann ist es auch in Ihnen bald gelöscht. Vertrauen Sie meiner Zauberkraft und der einer alten mährischen Tracht!

Ich trug eine Mährische Volkstracht aus der Hanacko Region und eine selbst gefertigte Haube aus Zeitungspapier, Stoffbändern und anderen recycelten Materialien.
Auf einem Fußgängerübergang am Smetanaufer brachte ich feuchtes Heu aus und versteckte darin eine Blechbüchse mit Lampenöl.
Ich harkte und wendete das Heu geräuschvoll mit einer Laubharke und fragte von Zeit zu Zeit einzelne der vorübergehenden Leute, ob sie nicht etwas loswerden möchten, das sie innerlich beschwert, Sorgen oder vielleicht Erinnerungen. Ich bat sie, diese auf einen Zettel zu schreiben und in dem Heuhaufen zu verbrennen. Ich versprach ihnen, dass sie danach fort wären.
Zwischen mir und den Passanten entstanden die verschiedenartigsten Gespräche: über korrektes Heumachen, über Ferienlagerrituale oder darüber, wie sicher mein Verfahren sei, und ob man seinen Erfolg irgendwie überprüfen kann.
Der Rahmen dieser Aktion waren zwei autofreie Tage im Stadtzentrum von Prag.

Materialien: Hanacko-Volkstracht, Zeitungspapier, Plastikperlen, Bänder, Plastikflasche, Blechbüchse, Lampenöl

FernOst FernWest Weisheit

Dienstag, 01. August 2006

„FernOst FernWest Weisheit“ Installation und Performance im August 2006 im UMA Museum in Ulan Bator, Mongolei / Gemeinschaftsarbeit mit Christian Richter

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Diese Installation und Performance waren der Versuch, die uns so fremde und faszinierende mongolische Kultur dadurch zu verstehen, dass wir uns ihr anverwandelten. Durch die Magie einer besonderen und geselligen Situation beabsichtigten wir, aus Gesprächen in kurzer Zeit eine große Menge fernöstlicher Weisheit zu extrahieren.

Fotos: Rasmus Kjellberg, Agnes Domke

Wir bauten eine Jurte aus Draht und mongolischen Tagesszeitungen. Wir bemalten Pappkartons im Stile der von den mongolischen Nomaden benutzten Holztruhen. An die Wände hängten wir selbst gefertigte Familienerinnerungsbilder und legten auf dem Boden lokaltypische Seiden- und Baumwollstoffe sowie Sitzkissen aus. Der Gemütlichkeit weiterhin zuträglich, stellten wir einen Teekocher und ein Tischchen hinein, auf dem Hartkäse und Süßigkeiten in einer Schale angeboten wurden.
Wir kleideten uns jeweils in eine europäische und eine asiatische Tracht und luden während unserer mehrstündigen Performance Gäste zum Tee in unsere Jurte ein. In den Gesprächen mit ihnen versuchten wir näher an einen Kern mongolischer Weisheit zu gelangen.
Überraschenderweise lasen viele Besucher die Wände unserer Jurte, bevor sie eintraten.

Materialien: Draht, Zeitungspapier, Pressspanplatte, Pappe, Seiden- und Baumwollstoffe, Geschirr, Reitstiefel, Hartkäse, Süßigkeiten

Schöne Vergangenheit

Freitag, 23. August 2002

„Schöne Vergangenheit“, Installation im August 2002 im ehemaligen Erholungsheim für Meliorationsarbeiter in Elniu Slenis, Litauen

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Wie schön säße es sich doch in der eigenen Vergangenheit, könnte man nur einmal mußevoll in ihr Platz nehmen. Aber wie auf Sesseln, auf denen schillernd Glasscherben liegen, kann man es sich in der Vergangenheit nur ausnahmsweise einmal im Traum gemütlich machen.

Fotos: Agnes Domke

Das Erholungsheim war in den 80’er Jahren mit dem Gedanken gebaut worden, auf dem völlig flachen Land den Arbeitern zu einem Urlaub in den Bergen zu verhelfen. Es war ein See ausgehoben worden und die Erde daneben zu einem Berg aufgeschüttet. Im Wald wurden Wanderwege angelegt und Aussichtspunkte geschaffen.

Das Haus war im Stil einer Berghütte gebaut, versehen mit dunklen Holzvertäfelungen, Gemälden, die Berge und Meer zeigten und einigen Vitrinen mit Souvenirs aus fremden Gebirgen.
Mich erinnerte das Ambiente sehr an meine eigene Kindheit in der DDR und mich interessierte das Verhältnis zur dieser Vergangenheit, das wir heute haben, die Verklärung der Vergangenheit. Die Vergangenheit ist das Einzige, was man manipulieren und kontrollieren kann im Gegensatz zu Gegenwart und Zukunft.

Der Reiz der Installation besteht in einem Balanceakt zwischen Natur und Kultur. Das Ferienheim, seit Jahren nicht mehr in Benutzung, gleicht sich durch seinen Verfall der Natur mehr und mehr an. Den morbiden Charme des Ortes wollte ich atmosphärisch verstärken.

Materialien: Glasscherben, Zeitungsfotos, Papier, Kreide, Filzstiftzeichnungen, Gouachefarben, Birkenrinde, Tannen –und Eschenzweige, Tannenzapfen, bemoostes Holz, Kieselsteine, Votivbild